


Wir danken Frau Petra Harms (Vorstandsvorsitzende Don Bosco-Haus für das behinderte Kind e.V.) für den nachstehenden Bericht:
Warum Selbstvertretung unsere Demokratie stärkt – Inklusion und Selbstbestimmung
Auf Einladung der Zielgruppenvertreter:innen des Don Bosco-Hauses, Frau Sonja Schacht, und des Lebenshilfewerkes Mölln-Hagenow, Herrn Uli Rühmling, fand im BBZ Mölln eine eindrucksvolle Veranstaltung des politischen Gesprächskreises Selbstvertretung statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum Selbstvertretung ein zentraler Baustein für eine lebendige und widerstandsfähige Demokratie ist.
In ihrer Eröffnungsansprache machte Frau Harms deutlich: Inklusion ist kein Projekt für gute Zeiten. Sie ist vielmehr der Prüfstein unserer gesellschaftlichen Strukturen – und unserer Sprache. Wo Inklusion ernst gemeint ist, zeigt sich, wie konsequent Beteiligung, Teilhabe und Respekt tatsächlich gelebt werden.
Menschen mit Behinderung sind keine Objekte von Fürsorge, sondern handelnde AkteurInnen mit dem Recht auf Beteiligung und dem Anspruch auf Mitgestaltung. Solange ausschließlich Menschen ohne Behinderung darüber entscheiden, ob, wann, wie und wo Inklusion umgesetzt wird, ist Inklusion bereits gescheitert. Diese klare Haltung zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.
Ein besonderer Impuls ging von Frau Janine Kolbig, Geschäftsführerin, Vorständin und Teilhabeberaterin des ZSL Kiel, aus. Sie war eigens aus Kiel angereist und stellte den zahlreichen Gästen anschaulich die Arbeit des Zentrums für selbstbestimmtes Leben vor. Ihre Ausführungen machten deutlich, wie wichtig unabhängige Beratung und Selbstvertretung für ein selbstbestimmtes Leben sind. Passend dazu wurde ein Zitat von Gudrun Wansing aufgegriffen:
„Ein selbstbestimmtes Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben, ist ein Bürgerrecht.“
Besonders eindrücklich waren auch die Stimmen aus der Praxis: Zwei Heimbeirätinnen aus dem Birgittenhof, Frau Wulf und Frau Malakowsky, äußerten sich im Interview offen und kritisch zu den nach wie vor bestehenden Hürden und den oft fehlenden realen Möglichkeiten, als Mensch mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Frau Schacht berichtete mithilfe ihres Talkers und unterstützt durch ihre Assistentin Frau Höfert von der Arbeit des politischen Gesprächskreises Selbstvertretung sowie von der beeindruckenden Begegnung mit Frau Kolbig, aus der heraus diese Veranstaltung entstanden ist. Ihre Ausführungen machten deutlich, wie wichtig Räume sind, in denen politische Bildung, Erfahrungsaustausch und Empowerment zusammenkommen.
Ein oft zitierter Satz von Hubert Hüppe, ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, brachte die Situation auf den Punkt:
„Wer Inklusion will, sucht Wege – wer sie nicht will, sucht Begründungen.“
Dass dieser Satz weiterhin Aktualität besitzt, zeigt, wie viel es noch zu tun gibt.
Die Veranstaltung war ein starkes Zeichen für gelebte Selbstvertretung und demokratische Teilhabe. Der politische Gesprächskreis trifft sich wöchentlich und freut sich über weitere interessierte Teilnehmer:innen. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Ein herzlicher Dank gilt Frau Krüger, die mit ihrer gelungenen Moderation und Organisation wesentlich zum Erfolg und zur inhaltlichen Tiefe der Veranstaltung beigetragen hat.
Petra Harms
-Vorstandsvorsitzende Don Bosco-Haus für das behinderte Kind e.V.-
