Ein Blick hinter die Kulissen mit Signalwirkung: Beim sogenannten „Schulterblick“ am 21. April zeigte das Projekt „Mölln Inklusiv“, wie moderne Inklusionsarbeit heute aussehen kann – praxisnah, selbstbestimmt und mit echtem Modellcharakter. Vertreterinnen und Vertreter von Aktion Mensch sowie der Staatskanzlei Schleswig-Holstein informierten sich vor Ort über die beeindruckenden Fortschritte in der Eulenspiegelstadt.
Im Mittelpunkt standen dabei nicht Konzepte auf dem Papier, sondern Menschen, die Inklusion aktiv gestalten. Zielgruppenvertreterin Sonja Schacht sowie Ulli Rühmling und Thorsten Blasey führten durch die Präsentation und machten deutlich: In Mölln wird Teilhabe nicht verwaltet, sondern gelebt.
Selbstvertretung als Motor des Wandels
Besonders eindrucksvoll präsentierte sich der „Gesprächskreis Selbstvertretung“. Unter dem Leitsatz „Nichts über uns ohne uns“ hat sich hier ein starkes Gremium entwickelt, das weit über ein klassisches Freizeitangebot hinausgeht. Es ist ein Ort der Mitbestimmung, der politischen Teilhabe und der demokratischen Einflussnahme.
„Es reicht nicht, nur gehört zu werden – wir brauchen feste Mitbestimmung“, betonte Sonja Schacht. Dass dies mehr ist als ein Anspruch, zeigen konkrete Erfolge: So wurde unter anderem der Anstoß für einen Inklusionsbeirat in Mölln aus diesem Kreis heraus gegeben – ein Meilenstein auf dem Weg zu struktureller Beteiligung.
Politische Teilhabe auf Augenhöhe
Auch bei politischen Prozessen verschafft sich die Selbstvertretung zunehmend Gehör. Thorsten Blasey erläuterte das Verfahren zur Wahl des Beauftragten für Menschen mit Behinderungen, während die Beteiligten klar machten, dass sie künftig ein echtes, transparentes Wahlverfahren einfordern. Ein entsprechender Antrag wurde bereits mit großer Mehrheit in der Einwohnerversammlung unterstützt – ein starkes Zeichen für den Wandel in der Stadtgesellschaft.
Breite Aktivitäten für eine barrierefreie Zukunft
Neben der politischen Dimension wurde auch die Vielfalt der Projekte sichtbar: Zahlreiche Arbeitskreise und Initiativen arbeiten daran, Mölln Schritt für Schritt barrierefreier und inklusiver zu gestalten – stets unter aktiver Mitwirkung der betroffenen Menschen selbst. Die Ergebnisse des vergangenen Jahres zeigen eindrucksvoll, wie viel durch konsequente Beteiligung erreicht werden kann.
Ein Vorbild mit Modellcharakter
Das Fazit der Gäste fiel entsprechend deutlich aus: Die Entwicklung in Mölln beeindruckt – nicht nur durch ihre Ergebnisse, sondern vor allem durch ihren Ansatz. Der Wandel von reiner Mitwirkung hin zu echter Mitgestaltung ist hier gelungen.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei die intensive persönliche Assistenz, die Teilhabe erst möglich macht und absichert.
Der Besuch machte deutlich: Mölln ist auf dem besten Weg, sich als Vorreiter moderner Inklusionsarbeit zu etablieren. Hier wird nicht über Inklusion gesprochen – hier wird sie von den „Expertinnen und Experten in eigener Sache“ tagtäglich verwirklicht.

