NACHKLANG ZUM 5.MAI – EUROPÄISCHER PROTESTTAG ZUR GLEICHSTELLUNG VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG 

Von Tanja Höfert

Möllner Themenwoche als Modell für Selbstvertretung, politische Wirkkraft und inklusive gesellschaftliche Transformation

Die Möllner Themenwoche im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Mölln ist die Fortführung einer Veranstaltungsreihe der Gruppe der Selbstvertreter*innen und Zielgruppenvertreter*innen im Projekt Mölln inklusiv. Sie ist ein sich entwickelnder sozialer und politischer Raum, in dem Inklusion nicht nur dargestellt, sondern aktiv gestaltet und weiterentwickelt wird. Im Zentrum steht die Frage, wie Selbstbestimmung, Teilhabe und politische Mitwirkung konkret wirksam werden können. In der Vergangenheit gab es schon zwei gut besuchte Veranstaltungen im BBZ-Mölln zum Thema Behindertenrechtskonvention.

Eine besondere Bedeutung hat dabei die Initiative/Intension der Selbstvertreterinnen und Zielgruppenvertreterinnen in Mölln. Sie verkörpern in beispielhafter Weise den Wandel hin zur konsequenten Umsetzung des Prinzips „Nichts über uns ohne uns“ der UN-Behindertenrechtskonvention. Dieses Prinzip wird hier nicht nur gefordert, sondern als gelebte Praxis im kommunalen Raum umgesetzt.

Die politische Wirkkraft dieser Selbstvertretungsstrukturen zeigt sich auf mehreren Ebenen. Die Selbstvertreterinnen und Zielgruppenvertreterinnen wirken aktiv in kommunale Prozesse hinein, unter anderem durch die Initiierung und Mitgestaltung des lokalen Inklusionsbeirat Mölln. Sie bringen Perspektiven ein, formulieren Bedarfe und gestalten Diskussionen auf Augenhöhe mit Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.

Darüber hinaus haben sie entscheidende Impulse gesetzt: Sie haben die Wahl eines Behindertenbeauftragten in Mölln auf den Weg gebracht und damit einen wichtigen strukturellen Schritt zur institutionellen Verankerung von Selbstvertretung angestoßen. Damit wird sichtbar, dass ihre Rolle nicht auf Beteiligung im engeren Sinne beschränkt ist, sondern reale politische Veränderungsprozesse auslöst.

Ein weiterer Ausdruck dieser Wirkkraft zeigt sich in der Gestaltung inklusiver und öffentlicher Räume. So wurde im Rahmen der Aktivitäten der Themenwoche auch eine inklusive ökumenische Laienandacht in der katholischen Kirche durchgeführt, die symbolisch und praktisch zeigt, wie Teilhabe über politische Strukturen hinaus in kulturelle und spirituelle Lebensbereiche hineinwirkt. Auch hier werden Menschen mit Behinderungen nicht nur einbezogen, sondern als gestaltende Akteur*innen sichtbar.

Ein wesentlicher Schlüssel dieser Entwicklung liegt in den weiterentwickelten Peer-to-Peer-Prinzipien. Diese gehen über klassische Unterstützungslogiken hinaus und schaffen Räume gegenseitiger Anerkennung, in denen Menschen mit  Behinderungen nicht über ihre Diagnosen/Einschränkungen definiert werden, sondern als handelnde Subjekte mit eigener Perspektive, Erfahrung und politischer Stimme. Daraus entsteht eine gestärkte „Ich-Identität“, die sich im gemeinsamen Handeln und in öffentlicher Präsenz formt.

Assistenz spielt dabei eine unterstützende, aber klar abgegrenzte Rolle: Sie ermöglicht Zugänge, Kommunikation und Teilhabe, ohne die inhaltliche oder politische Stimme der Selbstvertreter*innen zu ersetzen. Sie bildet damit eine zentrale Infrastruktur für Selbstbestimmung und Beteiligung.

In dieser Verbindung entsteht der besondere Modellcharakter der Themenwoche zum Europäischen Protesttag mit dem Motto: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Inklusion in Mölln nicht nur organisiert, sondern strukturell verändert werden kann – hin zu einer Stadtgesellschaft, in der Selbstvertretung nicht ergänzend, sondern konstitutiv für demokratische Prozesse ist.

Das Projekt Mölln Inklusiv kann in seinem Modellcharakter ein Prozess eines offenen und dynamischen Entwicklungsweges sein. Die sehr erfolgreiche Themenwoche ist dafür beispielhaft  aber kein abgeschlossenes Format, sondern ein Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels, in dem Menschen mit Behinderungen nicht nur beteiligt sind, sondern politische, soziale und kulturelle Räume aktiv gestalten wollen – sichtbar, wirksam und dauerhaft.

Wir danken unseren Förderern

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Logo bestehend aus den Buchstaben SH, einem schreitenden Löwen und einem Nesselblatt, sowie dem Text Schleswig Holstein Der Ministerpräsident Staatskanzlei